Psychische Faktoren bei chronischen Schmerzen

Viele chronische Schmerzpatienten sind irritiert, wenn sie von ihrem Arzt den Rat erhalten, sich auch psychotherapeutische Unterstützung bei der Bewältigung ihre Schmerzen zu holen. »Ich bin doch nicht verrückt! Ich bilde mir meine Schmerzen doch nicht ein! Was soll ich bei einem Psychotherapeuten?« ist nicht selten die spontane Reaktion.

Die veraltete Vorstellung das chronische Schmerzen entweder nur körperliche (somatische) oder allein psychische Ursachen haben, prägt noch immer das Denken von vielen Menschen, dabei ist diese Anschauung schon längst wissenschaftlich widerlegt. Chronische Schmerzen werden immer von somatischen und psychischen Faktoren beeinflusst. Deshalb sollte eine Behandlung chronischer Schmerzen auch immer die psychischen Faktoren mit berücksichtigen. Ein guter ärztlicher Schmerztherapeut wird das auch tun, aber je nach dem, welche Bedeutung die psychischen Faktoren für den Schmerzpatienten haben, ist in vielen Fällen neben der ärztlichen Behandlung auch eine ambulante Psychotherapie notwendig und hilfreich.

Bei länger andauernden chronischen Schmerzen spielen neben körperlichen Prozessen auch psychologische Einflüsse eine Rolle: z.B. Bewertungen, Aufmerksamkeitsprozesse, Gefühlslage, Erfahrungen, Lernprozesse, eine individuelle Schmerzschwelle und kulturelle Faktoren. In diesem Zusammenhang wirken auch vegetative Regulationsvorgänge (»körperliche Stressreaktionen«) auf das Schmerzgeschehen. Daraus folgt, dass der somatische Befund allein das Schmerzempfinden nicht vollständig erklärt.

Ein zentrale Frage aus psychologischer Sicht ist: Wie geht der Betroffene mit seinen Schmerzen um?
Der sogenannte Schmerzkreislauf beschreibt, wie psychologische Prozesse die Schmerzen verstärken können:

1. Die Schmerzen werden vom Großhirn wahrgenommen.
2. Die Schmerzen werden gedanklich bewertet, z. B. »Das kann ich nicht aushalten«, »Ich werde wohl nie wieder gesund«, »Womit habe ich das verdient?«
3. Diese Bewertungen gehen mit Gefühlen wie Angst, Ärger, Trauer, Resignation, Hilflosigkeit einher.
4. Diese Gefühle lösen körperliche Reaktionen aus, insbesondere eine Anspannung der Muskulatur und vegetative Stress-Symptome. Außerdem beeinflussen diese Gefühle unser Verhalten, zum Beispiel kann Angst vor Schmerzverstärkung zu einer Vermeidung von eigentlich hilfreicher körperlicher Aktivität führen. Diese körperlichen Reaktionen und ungünstigen Verhaltensweisen verstärken wiederum die Schmerzintensität – so schließt sich der Kreis.

Ungünstige Verhaltensweisen im Umgang mit den Schmerzen sind neben der bereits beschriebenen ängstlich-vermeidenden Schmerzverarbeitung zum Beispiel auch eine aufmerksamkeitsfokussierte Schmerzverarbeitung oder ein übertriebenes »Durchhalte-Verhalten«.


Ziele in der Schmerzpsychotherapie

Die Schmerzpsychotherapie setzt u.a. an diesen psychologischen Komponenten des Schmerzkreislaufes an, um zur Schmerzreduktion beizutragen; insbesondere geht es um die Veränderung der gedanklichen Bewertungen und des Verhaltens. Ziele der Schmerzpsychotherapie sind eine verbesserte Schmerzkontrolle und die Entwicklung einer aktiven Schmerzbewältigung, um Schmerzen zu reduzieren und zur Verbesserung der Lebensqualität beizutragen.

Neben dem besseren Umgang mit den chronischen Schmerzen selbst, geht es in der Schmerzpsychotherapie auch um die Frage, welche weiteren Faktoren die Schmerzen ungünstig beeinflussen. Viele Schmerzpatienten erleben, dass Stress am Arbeitsplatz und/oder Privatleben ein solcher Faktor ist. Deshalb sind der Umgang mit Belastungen, eine bessere Stressbewältigung und die Förderung der Entspannungsfähigkeit häufig Themen in einer Schmerzpsychotherapie.
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Dipl.-Psych. Jan Laute ist zertifizierter Schmerzpsychotherapeut, d. h. er hat nach einer mehrjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung bei der »Deutschen Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und Forschung (DGPSF)« das Zertifikat »spezielle Schmerzpsychotherapie« erworben.

Neben seiner Teilzeit-Tätigkeit in einer Klinik für multimodale Schmerztherapie bietet Jan Laute auch ambulante Schmerzpsychotherapie in seiner Praxis an.

Jan Laute ist nicht Mitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, d. h. er kann sein Honorar nur direkt mit seinen Klienten/Patienten abrechnen. Die Kosten werden gegebenfalls von privaten Krankenkassen erstattet und in Ausnahmefällen auch im sog. Kostenerstattungsverfahren von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Besonders kundenorientiert verhält sich dabei übrigens die Techniker Krankenkasse.